blog Angeln in Håverud (Schweden, Västra Götaland)

Im März kam eine Mail, ob ich nicht Lust hätte, Ende Mai mal wieder mit nach Håverud in Schweden zu kommen. Håverud liegt in der Kommune Mellerud in der Provinz Västra Götaland.  Der Ort liegt ca. 20km Luftlinie vom Vänern entfernt. Der See Övre Upperudshöljen liegt direkt am Ort an, der durch sein Äquadukt und die 4-Kammern-Schleuse stromaufwärts in den Åklång führt. Die Seen sind Teil des Dalslandkanals, der bis nach Norwegen führt. Auf der Nordseite des ist ein kleines Fließ unter einer sehr flachen Brücke in den Båttjärnet, einen ca. 650m langen und bis zu 8m tiefen Waldsee. Der Övre Upperudshöljen geht in Richtung Südosten in den Nedre Upperudshöljen über, der in einen größeren Teil im Süden und einen kleineren Teil im Norden geteilt ist. Alle Seeteile sind durch Schwellen voneinander getrennt. Ansonsten weisen die Seen in der Mitte wenig Struktur auf. Nur an den Rändern ziehen sich manchmal Riffe in den See oder es gibt steile Abbruchkanten. 

Da ich der einzige passionierte Angler war, lag es an mir, die Gewässer zu erkunden. Zu rechnen ist auf allen Seen mit Hecht und Barsch. Weißfische in Form von Plötze, Blei und Ukelei waren ebenfalls vertreten. Auf dem Övre Upperudshöljen werden Lachse und Forellen gezüchtet. Da reißen wohl manchmal welche aus und werden zur Beute der Angler. Mir war dieses Glück leider nicht vergönnt. Aber der Reihe nach.

Am Samstag Abend kamen wir in Håverud an. Am Tage wehte wohl schon ein recht kräftiger Wind. Sonntags ging es in das Dalsland Center die Angelkarten für den Övre Upperudshöljen und Nedre Upperudshöljen zu besorgen . Weitere Ausgabestellen für die Gewässer des Nedre Upperudsälvens Fiskevårdsområde findet Ihr hier. Die Wochenkarten kosteten 100SEK. Für den Båttjärnet war keine Angelkartenstelle zu ermitteln und der Nachbar meinte, dass man da so angeln kann. 

Dann ging es zur ersten Erkundung auf den Båttjärnet, da der Wind noch mehr aufgefrischt hatte. Der See ist im südlichen Teil recht flach und verschiedene Unterwasservegetation begann sich breit zu machen. Aber außer kleinen Barschen, Plötzen und Ukelei, war in diesem Seeteil nichts zu machen. Wenn der See den südlichen Teil verläßt, geht es recht gemächlich auf bis zu 8m abwärts. Unterwasserberge habe ich keine entdeckt. Die Ufer gehen mal steiler oder flacher in den See hinein. Manchmal gibt es in den See hineinragende 'Riffe'. Am nördlichen Ende gibt es einen Röhrichtbereich im Einflußbereich eines Fließes aus einem höher gelegenen See. Der Untergrund ist fast immer schlammig. Ich hatte aufgrund des schwierigen Wetters mit schlechten Fangaussichten gerechnet und wurde leider nicht enttäuscht. Der erste Tag brachte nichts ein. So fingen wir uns am Abend ein paar kleine Barsche, die allerdings in Butter gebraten äußerst lecker waren. Am nächsten Tag nahm der Wind noch weiter zu. An eine Ausfahrt auf den Övre Upperudshöljen war weiterhin nicht zu denken, da der Wind mit Schaumkronen auf den Wellen genau auf der kleinen Durchfahrt zum See stand. Das kleine 3m-Gfk-Boot war mir da doch zu unsicher. Das Werfen mit Spinnködern brachte außer eines Anfassers auf meinen Spinner erst einmal nichts ein, ehe Annett mit der Storm-Hechtimitation einen 55'er Hecht aus dem Röhricht lockte. 

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Weiteres Werfen war dann erfolglos. Der Wind frischte noch weiter auf. Ich schlug vor, in Richtung Heimat zu schleppen und hängte meinen Angelprobanden Imitationen vom Rapala Shad Rap an die Schnur und mich in die Ruder. Keine 200m weiter knallte der erste Fisch in die Angel. Trotz der Vertüdelung der beiden Angeln konnten wir den 81'er Esox sicher landen. Weiter passierte dann auch nichts. Wir waren aber trotzdem zufrieden, da die ersten richtigen Fischmahlzeiten gesichert waren. 

Hinrich

Am Dienstag hatte sich der Wind weiterhin nicht abgeschwächt. Der Övre Upperudshöljen blieb mit Boot weiter tabu. Ich probierte ein wenig mit kleineren Wobblern zu schleppen, aber im Båttjärnet war dies nicht von Erfolg gekrönt. Nur ein kurzer Anfasser und das Kopfschüttel eines Hechtes ließen kurz Hoffnung aufkeimen. Bei einer nachmittäglichen Tour biss dann ein 40'er Hecht an, der natürlich wieder zurückgesetzt wurde. 

Der Mittwoch wurde durch eine kleine Weiterbildung in Sachen Abwasserinstallation, Verstopfung und ihre Folgen aufgelockert.  Schöne Sch.... .  Das kostete uns einige Stunden und es blieb uns wegen des Windes nur übrig, mal an den Hotspot, den Einfluß aus dem Kraftwerk in den Övre Upperudshöljen zu gehen. Prinzipiell eine tolle Angelstelle mit Köderverlustgarantie. Allerdings brachte gleich der erste Wurf einen prächtigen Barsch von 41cm. Der 2. Wurf kostete mich dann gleich den Salt'nPepper Fin S. Danach war trotz Köder- und Stellenwechsel nichts mehr zu machen. Auch egal. Ich war zufrieden. 

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Am Donnerstag ging es bei langsam nachlassenden Wind auf den Övre Upperudshöljen. Die tiefste Stelle, die ich gesehen, habe war 27,3m tief. Auch der Övre Upperudshöljen  hat tief oder etwas flacher einlaufende Kanten. Markante Stellen mitten im See habe ich nicht entdeckt. Wir schleppten auf der Südseite in Richtung Nedre Upperudshöljen mit Rapala Shad Raps. Kurz vor dem Seeausgang knallte es in Hinrichs Rute. Der Hecht wehrte sich recht kräftig, stellte sich nachher aber als ein Exemplar mit 'nur' 79cm heraus. 

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Danach passierte außer einem kleinen neugierigen Barsch und den üblichen Hängern nichts mehr. 

Ohne Echolot geht nichts

Am Freitag wollte ich dann bei sehr schönem Frühlingswetter den weiteren Teil des Nedre Upperudshöljen erkunden. Der Övre Upperudshöljen steigt am Ausgang zum Nedre Upperudshöljen von 25m langssam auf 4m an um danach wieder auf ca. 10m abzufallen. Der Nedre Upperudshöljen läuft dann vor der Papierfabrik in einer Flachwasserbucht mit vielen Wasserpflanzen aus. In Richtung Kraftwerk zum Spången sind einige Inseln, die sich auch unter Wasser weiter Struktur bilden. Im nördlichen Teil des Nedre Upperudshöljen befindet sich die 2-Kammern-Schleuse zum Spången. Hier reizte mich eine 10m tief abfallende Steilwand zum Werfen mit dem Schaalseechampion (Hechtimitat von Storm). Wieder tauchte der Köder aus den Tiefen des klaren, braun gefärbten Wassers auf, als dahinter sich ein Fisch bewegte. Instinktiv hörte ich auf zu kurbeln und der Köder pendelte unter der Angel durch. Der Hecht kam näher, riss das Maul auf und drehte ab. Ich brauchte nur noch die Rute zu halten. Der Fisch hatte schon alles erledigt. Die erwartete Flucht blieb aus. Nur ein wenig später und nach ein paar Sprungversuchen lag der 87'er Hecht im beim 'Drill' zusammen gebauten Netz. So wie der Fisch aussah, hatte wohl auch er schon Bekanntschaft mit den Wasserkraftwerken gemacht. Ein abendliches Schleppen auf Zander konnte nicht erfolgreich sein, da es dort wohl keine gibt. Diese sind in den direkt (ohne Schleuse) mit dem Vänern verbundenen Seen aber vorhanden. 

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Das war es dann auch mit dem Angeln in den Seen bei Håverud. Ich hatte meine Ziele erreicht. Die Gewässer waren erkundet und einige schöne Fischmahlzeiten waren auch herausgesprungen. Die Seen sind für schwedische Verhältnisse nichts Besonderes, haben aber aufgrund ihres Naturpotentials einen hohen Erhohlungswert. Allein an einem Nachmittag konnten wir 4 Biber beobachten. Biberburgen sind reichlich vorhanden. Und mit den Arbeitsergebnissen des Bibers darf dann der eine oder andere Köder Bekanntschaft machen. Die Gegend eignet sich ausgezeichnet für ausgiebige Wanderungen und ist später im Jahr auch ein ausgezeichnetes Pilzrevier. Im Sommer wird es dann wohl aber auch voll auf dem Campingplatz und den Hotels von Håverud. Weiterhin sind reichlich Wasservögel wie Gänsesäger, Schellente, Kanadagans und Stockente unterwegs. 

Zu erwähnen wäre noch der Aal. Reusenfänge und Totfunde (Kraftwerksopfer) belegen, daß Aale von 90cm und mehr keine Seltenheit sind. 

Insiderinformationen zum Angeln konnte ich leider keine bekommen, da ich in einer Woche nur noch ein anderes Boot auf dem See gesehen habe. 

Insgesamt war es eine schöne Woche, die ein wenig besseres Wetter verdient gehabt hätte.

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